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Rekor Sanat · Artikel

Die historische Entwicklung heutiger Chöre

Im vorigen Artikel habe ich die menschlichen Stimmgruppen vorgestellt. Nun möchte ich über den Chor sprechen: den umfassendsten Rahmen, in dem diese Gruppen einzeln oder gemeinsam musizieren können. Das türkische Wort „koro“, verbunden mit dem griechischen „khoros“, dem lateinischen „chorus“ und dem italienischen „coro“, bezeichnet eine Gruppe von Ausführenden, die ein- oder mehrstimmige Werke singt. Bereits zu Beginn antiker Kulturen wurde Vokalmusik bei religiösen Zeremonien eingesetzt, zunächst jedoch zu magischen statt künstlerischen Zwecken. Später entstanden religiöse Chöre in Klöstern und Kirchen. Mit den Kreuzzügen überschritt Chormusik den religiösen Rahmen und erzählte Heldengeschichten. Obwohl gemeinsames Singen seit den frühesten Menschen unterschiedlichen Aufgaben, Eigenschaften und Zielen diente, hat es selbstverständlich wesentliche strukturelle Veränderungen erfahren. Für die Entstehung heutiger Chöre lassen sich drei Hauptphasen unterscheiden.


1. Die im Dunkeln liegende Epoche: von den Anfängen bis ins 15. Jahrhundert. Da kein Klangmaterial erhalten ist, liefern nur Reliefs und Bilder direkte Zeugnisse damaliger Chöre. Andere Befunde und Ansätze lassen vermuten, dass Menschen gemeinsam sangen, etwa zur Klage, Unterhaltung, bei Festen und Ritualen, jeweils nach eigenen Regeln und Ordnungen.

Seit etwa 2000 v. Chr. bezeichnete der Begriff „Chor“ im antiken Griechenland nicht nur singende Gemeinschaften, sondern auch musizierende Einzelpersonen und Gruppen einschließlich Instrumentalisten.


2. Aufbau und Entwicklung: 1400–1750. Diese Phase bildet eine Grundlage heutiger Chöre. In Renaissance, Barock und Wiener Klassik wirkten überwiegend in Kirchen religiöse Chöre, deren Aufbau wegweisend war. Notation, Stimmgruppen und Stimmlagen wie Sopran, Tenor und Alt wurden erschlossen. Untersuchungen zur chorischen Gesangstechnik begannen, und die Bedeutung des Dirigenten, der das Werk bei der Aufführung mitsang, wurde zunehmend erkannt.


3. Die Entwicklungsphase: ab etwa 1750. Die Bedeutung des Chors für Menschen und Gesellschaft wurde erkannt; das Chorwesen entwickelte sich zu einem wissenschaftlich erforschten Gebiet. Neue Ansätze im Einzel- und Gruppengesang sowie eine weiterentwickelte Notation gingen mit Fortschritten bei Tempobezeichnungen wie moderato, andante und presto sowie Dynamikangaben wie p, mf, f, cresc. und dim. einher. Auch professionelle Ausbildungsmöglichkeiten für Chorleiter entstanden. Ein erstes Beispiel heutiger Chöre wurde 1791 an der Berliner Sing-Akademie gegründet.


Minanur Balcan
Rekor Sanat – Gesangslehrkraft