Rekor Sanat · Artikel
Der Zusammenhang zwischen zentralem Nervensystem und Instrumentalspiel
Über ihre ästhetischen und künstlerischen Werte hinaus umfasst die komplexe Struktur des Klavierspiels ein anspruchsvolles Zusammenspiel geistiger und körperlicher Tätigkeiten. Der Geist liest die in zwei unterschiedlichen Schlüsseln auf zwei Notensystemen notierten Töne, erfasst und verinnerlicht die musikalische Vorstellung und setzt sie um, indem er den ganzen Körper, vor allem die am Klavierspiel beteiligten Bereiche von den Schultern bis zu den Fingerspitzen, richtig steuert. Auch die Füße bedienen die Pedale; häufig wird diese Tätigkeit auswendig, vor anderen Menschen und unter Stress ausgeführt.
Dieser komplexe Prozess wirkt sich entwicklungsfördernd auf bestimmte Bereiche des menschlichen Gehirns aus. Dazu liegen wissenschaftliche Untersuchungen von Teams vor, die überwiegend aus Neurologen und anderen Wissenschaftlern bestehen. Eine neuere Studie kam zu bemerkenswerten Ergebnissen: Krista Hyde und ihr Team zeigten mit neurologischen Bildgebungsverfahren Veränderungen in der geistigen Entwicklung von Kindern, die erst 15 Monate Instrumentalunterricht erhalten hatten. Das bereits vielfach untersuchte Thema wurde mit neu entwickelten Bildgebungsverfahren erneut betrachtet. Dabei wurden eine deutliche Zunahme geistiger Fähigkeiten und bildlich belegbare körperliche Veränderungen bei den unterrichteten Kindern festgestellt. Eine so komplexe Tätigkeit wie Klavierspielen ist zielgerichtet und beruht auf automatisierten Abläufen. Das zu Beginn durch die Notenschrift vorgegebene musikalische Ziel wird durch geistig koordinierte motorische Fertigkeiten umgesetzt, die durch langes Üben automatisiert oder zu Reflexen werden. Beim Übertragen einer musikalischen Phrase auf die Finger darf während des Klavierspiels keine Unterbrechung zwischen Gehirn und Fingern entstehen. Die Weiterleitung der Befehle vom Gehirn über die Nerven an die Muskeln setzt voraus, dass man die eigene Physiologie kennt.
Instrumentalunterricht ist vor allem ein Prozess, bei dem psychomotorische Verhaltensweisen aus dem Zusammenspiel von Gehirn und Muskeln durch kognitive, affektive und motorische Unterstützung zu Fertigkeiten werden. Dafür müssen diese Verhaltensweisen aufeinander abgestimmt, in angemessenem Tempo und automatisch ausgeführt werden. Dies setzt eine solide Klaviertechnik voraus. Technik ist eine notwendige Grundlage des Musizierens.
Beim Erwerb der Klaviertechnik gibt es zwei wichtige Phasen:
1. Sich bewusst machen, wie sich Finger, Arme und Hände bewegen.
2. Lernen, wie Muskeln und Nerven dieses System steuern.
Für technische Leichtigkeit:
1. Nicht benötigte Muskeln sollten nicht eingesetzt werden.
2. Die benötigten Muskeln sollten ihre jeweilige Aufgabe übernehmen.
Auch wenn der zweckmäßige Einsatz der für das Klavierspiel erforderlichen motorischen Funktionen auf langem Üben und ständiger Wiederholung beruht, ist noch entscheidender, wie schnell sich musikalische Gedanken umsetzen lassen. Ein Nervensystem, das musikalische Elemente nicht rasch verarbeiten kann, kann auch die motorischen Funktionen nicht im gleichen Tempo aktivieren und bleibt zurück. Technische Defizite können viele Ursachen haben; das Grundproblem liegt jedoch darin, dass das zentrale Nervensystem nicht ausreichend geschult ist oder nicht genügend effizient arbeitet.
Abschließend: „Die Finger eines Interpreten können sich nicht schneller bewegen als die Gedanken, die sie über die Tastatur führen. Die Geschwindigkeit des Spiels steht daher im Verhältnis dazu, wie weit die notierte Musik geistig erfasst ist und wie gut die Finger geistig koordiniert werden.“
Gülden Şair
Rekor Sanat – Klavierlehrkraft